Talkin’ Loud & Sayin’ Nothin’

Wir beim Drifter, man merkt es vielleicht, finden Sprache ja prinzipiell ganz gut.

Wir beim Drifter, man merkt es vielleicht, finden Sprache ja prinzipiell ganz gut. Wir verlieben uns ins Worte, Redewendungen, Sätze, die zu Redaktionsgags und -denkmälern werden.

Es gibt da die Legende vom “perfekten Satz”. An ihm erkennt man die wirklich großen Schriftsteller: Sätze wie “It was a diamond, all right” oder “Damals gab es das Woody-Allen-Ticket für uns noch fast umsonst” verraten die Handschrift eines wahren Meisterschreibers. Max Goldt kann, so scheint es, eigentlich nur perfekte Sätze schreiben.

Perfekt großartige, meine ich. Es gibt nämlich auch perfekt bescheuerte Sätze, die so dermaßen dämlich sind, dass einem das Hirn eitert. Roger Willemsen scheint ein Talent für sie zu besitzen: Dieser traurige Ersatz-BHL redet quasi nur Scheiße. Vermutlich lungert er den ganzen Tag pointiert in Zeitungsredaktionen herum, immer bereit, ein Interview zu geben – auch zu Themen, von denen er überhaupt keine Ahnung hat.

Es gibt keinen Grund, warum sich irgendjemand für seine Meinung zu Stummfilmen interessieren sollte, und trotzdem hat ihn die Welt gefragt. In dem Gespräch stilisiert er sich erst zum intellektuellen Pariah, der von seinen Freunden ob seiner “exotischen” Vorliebe für Stummfilme ostraziert wird. Wie tragisch! Und wie merkwürdig, dass die Stummfilm-Konzerte im Babylon stets gut besucht und meistens ausverkauft sind, und auch nicht nur von Hornbrillen-Filmnerds geschätzt werden.
Und dann er erklärt die neue Popularität des Stummfilms (Wie jetzt? Nichts mehr mit Outsider-Art?) mit “Ich könnte mir vorstellen, dass das mit einer wachsenden Sprachskepsis zu tun hat.” So eine blödsinnige Psycho-Soziologie-101-Einschätzung kann einem sensiblen Leser schon mal den ganzen Tag vermiesen, so verschmockt ist sie. (Auch der Interviewer, der “Vergessen wir die revolutionären Sowjetfilmer nicht!” einwirft, soll an dieser Stelle lobend-tadelnd erwähnt werden.)

Aber manchmal sind solche perfekt bescheuerten Sätze auch Quell großer Freude. Neulich durfte ich hören, wie eine Heilpraktikerin ihre Arbeit mit “Ich habe beruflich viel mit den Elementen zu tun” erklärte – was sofort Bilder von wichtigen Geschäftsessen mit Wind und Vertragsverhandlungen mit Feuer entstehen lässt. Für solche Phantasien nehme ich gerne mehrminütiges Ohrenbluten in Kauf.

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